Mädchen Notaufnahme


Zielgruppe
Das Angebot der Mädchennotaufnahme St. Agnes richtet sich an jugendliche Mädchen, ab etwa 13 Jahre, die momentan nicht an ihrem bisherigen Lebensmittelpunkt verbleiben können oder von akuter oder latenter Gefährdung bedroht sind.


Aufnahme
Die Mädchennotaufnahme St. Agnes ist eine Außenstelle des katholischen Kinder- und Jugendheim St. Josef. St. Agnes führt Inobhutnahmen im Auftrag der Jugendämter der Stadt Mannheim, des Rhein-Neckar-Kreises und des Kreises Bergstraße durch. Die Aufnahme erfolgt meist in Absprache mit dem zuständigen Mitarbeiter/-in des Sozialen Dienstes (Jugendamt). Mädchen, Eltern oder sonstige beteiligte Personen können sich aber auch selbstständig an die Mädchennotaufnahme St. Agnes wenden, falls eine akute Krise eintritt.

Angebote
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Alltagspädagogische Betreuung der jugendlichen Mädchen
- Kontaktaufnahme zu Schulen, Bildungsträgern, Ausbildungsbetrieben, Beratungsstellen
- Vormittagsangebote und –betreuung für Mädchen, die aktuell keine Schule oder Ausbildung besuchen
- Schaffen einer Tagesstruktur
- Individuelle Planung von zielorientierten Gesprächen mit den Mädchen und den Eltern
- Beginn der Entwicklung von Zukunftsperspektiven
- gemeinsamer Gruppenabend zum Erlernen von Konfliktlösungen und zur Strukturierung des Tagesablaufs
- schulische und berufliche Unterstützung
- notwendige gesundheitliche Versorgung
- individuelle Kreativangebote
- individuelle ressourcen- und lösungsorientierte Einzelgespräche mit Jugendlichen, sowie mit Elternteilen, aber auch gemeinsamen Gesprächsangeboten
- Erlernen von lebenspraktischen Fähigkeiten

Ausstattung:
5 Doppelzimmer mit WC (zum Teil mit Naßzelle), Küche, Wohnzimmer, Terasse, Gemeinschaftsbad


Um 10 Uhr am Vormittag werden die Schlafräume der Notaufnahmegruppe geschlossen. Die Mädchen können zwischen 10 und 14 Uhr an den Vormittagsangeboten teilnehmen. Viele Mädchen besuchen schon seit Monaten keine Schule, Ausbildung, etc. mehr. Ihr Lebensrhythmus weicht vom alltäglichen ab. Im Mittelpunkt steht das Überleben auf der Straße, die Nacht ist ihr Tag und der Tag dient zum „Abhängen“.

So sollen die Vormittagsangebote die Mädchen motivieren, ihren Lebensrhythmus geregelt zu gestalten und schrittweise den Einstieg in einen Schul- oder Berufsalltag zu erlangen. Spaß am Tun, eigene Fähigkeiten auszuprobieren, sich selbst zu entdecken und sich selbst wert zu fühlen, stehen dabei an erster Stelle. Die Angebote werden nach Interessen der Mädchen, nach deren Stärken und Können ausgewählt und hängen an unserer Pinwand sichtbar aus. Im kreativen Bereich durch Graffiti-Malerei, Malen und Zeichnen in verschiedenen Variationen, Foto-Collagen gestalten, Speckstein und Tonbearbeitung sowie Holzbearbeitung haben die Mädchen die Möglichkeit zu experimentieren, aktiv zu sein, neue Seiten an sich zu entdecken und sich somit schrittweise mehr zuzutrauen und selbst wert zu fühlen.


Körperarbeit ist ein Medium, die Selbstwahrnehmung der Mädchen zu verstärken, ihren Körper und ihre Gefühle selbst zu spüren und zu entdecken: die Mädchen gelangen zu einer inneren Ruhe, die es ihnen ermöglicht, Ruhe und Struktur in ihre Gedankengänge zu bringen, so dass sie Entscheidungen über weitere Schritte treffen können. So bieten wir Tanzen und Fitnessgymnastik mit An- und Entspannungseinheiten, Autogenes Training und leichtes Ausdauertraining an.
Auch Schminkkurse, Körperpflege, z.B. Gesichtsmasken und Düfte selbst herstellen, Henna-Tattoos sollen den Mädchen behilflich sein, einen positiven Bezug zum eigenen Körper zu erhalten.


Durch die Vielfalt der Angebote haben die Mädchen die Möglichkeit, in verschiedene Bereiche zu schnuppern und eigene spezielle Stärken wahrzunehmen. Nach dem Konzept der Selbstverstärkung und Selbstwirksamkeit wird durch diese kleinen positiven Erfahrungen und Erfolgserlebnisse ein positiver Effekt auf die Gesamtpersönlichkeit des Mädchens erreicht. Es lässt sich somit gezielter eine Perspektive entwickeln. Ist ein gewisses Maß an Motivation erreicht, wird mit dem Mädchen überlegt, in welchem Bereich gegebenenfalls kleine Praktika geleistet werden können. Die Praktika sollen zunächst nur an wenigen Tagen in der Woche stattfinden und sich dann schrittweise steigern, um eine Überforderung und somit verbundene Misserfolge zu vermeiden. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Betrieben erforderlich. Durch die Vormittagsangebote erhalten die Mädchen eine klare Struktur und Verlässlichkeit seitens der Mitarbeiterinnen. Die Mädchen erhalten eine sichere Basis, einen Ansprechpartner auf einer freiwilligen akzeptierenden Ebene. So kann Vertrauen aufgebaut werden, welches die Grundlage für eine Aussprache und Beratung bietet.

Zielsetzung
Die vorübergehende Unterbringung von jugendlichen Mädchen in der Inobhutnahmegruppe dient in erster Linie der Krisenintervention und einem Clearing. Nach individueller Absprache mit dem/der zuständigen Mitarbeiter/-in des Sozialen Dienstes (Jugendamt), dem Mädchen und den Eltern, werden erste Perspektiven erarbeitet. Während der Unterbringung in der Notaufnahme für Mädchen erfolgen zielorientierte Gespräche mit den Beteiligten mit systemischen Methoden. Ziel unserer Beratung ist, mit den Mädchen eine individuelle Perspektive zu entwickeln und sie über weiterführende Hilfen zu informieren und fallbezogen eine Reintegration in das soziale Netz zu erlangen. Wir unterstützen und begleiten die Mädchen nach Terminabsprache mit ihren individuellen Anliegen: Behördengänge, Bewerbungsschreiben, Vorstellungsgespräche, Kontakte zu Jugendämtern, Eltern, Schulen.




Bereichsleiterin:

Traudl Bellon, systemische Therapeutin SG
0621/ 338060

Heimleiterin:
Inge Groos, Dipl.-Soz.Päd. (FH)
0621/72071-23